Vortrag von Thomas Silberhorn MdB zum deutsch-französischen Verhältnis
Auf Einladung des deutsch-französischen Partnerschaftsvereins Küps-Plouay sprach der Bundestagsabgeordnete und vormalige Staatssekretär Thomas Silberhorn im Luthersaal in Küps über das deutsch-französische Verhältnis, das in den vergangenen Jahrzehnten neben vielen Gemeinsamkeiten auch immer wieder Spannungen aufwies.
In seiner Einführung betonte der Vorsitzende Rudolf Pfadenhauer den Wert der Partnerschaft, die es ermöglicht, wunderbare Menschen in einem anderen Land, in einer anderen Kultur kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Er zeigte auf, dass seit dem Hochmittelalter insbesondere die zahllosen Kriege zwischen Frankreich und Deutschland die Geschichtsschreibung maßgeblich beeinflusst haben. Erst die gegenseitigen privaten Besuche von Kanzler Adenauer und Präsident De Gaulle im Jahr 1958 schufen zwischen den führenden Politikern erstes Vertrauen. Bürgermeister Bernd Rebhan wies gleichfalls auf die Bedeutung der Partnerschaft hin und stellte den Referenten vor.
Thomas Silberhorn machte deutlich, dass die Menschen verschiedener Nationen ein vorgegebenes Thema trotz gleicher Zielsetzung oft aus unterschiedlichem Blickwinkel wahrnehmen und somit anders beurteilen. Auch würden sie sogar gleiche Worte infolge ihrer kulturellen Unterschiede verschieden interpretieren. Dies wiederum mache oft die Umsetzung notwendiger gemeinsamer Vorhaben schwierig.
Der Referent brachte in seinem überzeugenden Vortrag zahlreiche Beispiele zum deutsch-französischen Verhältnis und erläuterte die unterschiedlichen Sichtweisen. Hierbei gelang es ihm, den für Außenstehende gewöhnlich trockenen Politikbetrieb erstaunlich unterhaltsam und interessant aufzuzeigen. In diesem Zusammenhang beleuchtete er auch die Zusammenarbeit der beiden Länder unter dem Eindruck des Krieges zwischen der Ukraine und Russland.
Zwei Beispiele verdeutlichen hier die Gemeinsamkeiten wie auch die unterschiedlichen Sichtweisen. Die französischen Nachbarn hatten anlässlich 50 Jahre Elysee-Vertrag sämtliche Mitglieder des Deutschen Bundestages eingeladen und wollten mit ihren Gästen in einer prunkvollen Feier der Aussöhnung gedenken sowie die Stärkung der deutsch-französischen Zusammenarbeit vertiefen. Natürlich sollte zu diesem Anlass Champagner gereicht werden. Die Franzosen wollten ihren Gästen die Ehre erweisen und das Beste kredenzen. In Deutschland führte dies sofort zu einer öffentlichen Diskussion, und somit wurde die französische Seite gebeten, auf den Champagner zu verzichten. Der Gegenbesuch in Deutschland verlief dann wesentlich schlichter.
Ein anderes Beispiel bezog sich auf den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. So forderte Präsident Macron eine größere Eigenständigkeit der europäischen Streitkräfte, um losgelöst von der Dominanz der USA eigenständig operieren zu können. Deutschland hingegen setzt eher auf das transatlantische Verhältnis unter der Führung der Amerikaner. Weiter boten die Franzosen ihrem östlichen Nachbarn wie auch weiteren europäischen Staaten ihren atomaren Schirm an, während in diesem Falle Deutschland gleichfalls stärker auf den Schutz der Amerikaner setzt.
All diese Gegensätze und unterschiedlichen Sichtweisen sind für Thomas Silberhorn aber nicht unüberwindbar. Es komme darauf an, die Unterschiede zu erkennen, sie zu verstehen und trotzdem an der gemeinsamen Sache zu arbeiten. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass genau diese Einstellung die deutsch-französische Freundschaft vorangebracht habe.